
Der Musiker, Schriftsteller, Filmemacher und Entertainer Helge
Schneider erhält 2009 den Satirepreis "Göttinger Elch" für sein
Lebenswerk. Die Auszeichnung ist mit 3.333 Euro, einer silbernen
Elchbrosche und 99 Dosen „Original Göttinger Elch-Rahmsüppchen“
dotiert. Geehrt wird mit Helge Schneider ein „Ausnahmetalent
und Multikünstler“, wie es in der Begründung der Jury heißt, der „mit
seiner Verbindung von exzellenter Musik und kauzigem Entertainment die
Welt der komischen Künste bereichert und ihnen ganz neue
Ausdrucksformen geschenkt hat. Mit seinem unverwechselbaren, aus dem
Geist der Improvisation geborenen Stil setzt Helge Schneider den
Kontrapunkt zu den fabrikmäßigen Hervorbringungen des massenmedialen
Comedybetriebs. In seiner komischen Kunst verschmelzen die
Trivialitäten der Hoch- und die Preziosen der Subkultur zu einer neuen
Einheit, wachsen Sinn und Unsinn, Qualität und Quatsch zusammen, weil
sie zusammengehören. So verwandelt er Kitsch in Kunst, so macht er seit
mittlerweile 35 Jahren ,Bonbons aus Wurst’ und beweist mit anarchischem
Humor, was echte Komik ist – nicht Anpassung nämlich an einen
gleichgeschalteten Massengeschmack, sondern: wahre, persönliche
Freiheit. Helge Schneider ist ein Genie auf eigne Hand.“
Der 1955 in Mülheim an der Ruhr geborene Helge Schneider wollte schon im Vorschulalter Musiker und Clown werden. Er spielte bereits als 13-Jähriger in einer Rockband und ging seit seinem 17. Lebensjahr als Jazzpianist, Saxophonspieler und Sänger mit wechselnden Musikgruppen auf Tournee und ins Plattenstudio. Seit 1977 arbeitet er endgültig als Berufsmusiker und Entertainer und machte die aus dem Jazz entwickelte Improvisationskunst zu seinem ureigenen Stil, der virtuoses Musizieren mit komischen Texten verbindet. Bekannt wurde er als „singende Herrentorte“, die auf ihren Konzerten das Niveau schlechter Schlagermusik so gekonnt unterbot, dass es schon wieder gut war. Der große Durchbruch gelang ihm in den 90ern mit den Hits „Katzeklo“ und „Es gibt Reis, Baby“. Zugleich eroberte er mit der Westernparodie „Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“ das Kino und sicherte sich mit dem Nonsens-Krimi „Zieh dich aus, du alte Hippe“ einen Platz in der Literatur; später fand er mit „Mendy, das Wusical“ auch zum Musical. Zuletzt brachte er die Autobiographie „Bonbon aus Wurst“ heraus – ein programmatischer Titel, da Helge Schneiders Kunst wesentlich darin liegt, Grenzen aufzuheben, Unpassendes passend zu machen und auszuprobieren, was geht: Hauptsache, es macht Spaß.
Vor dem Göttinger Elch erhielt Helge Schneider 1997 den „Tegtmeier“-Preis der Stadt Hamm, 2000 den Deutschen Comedypreis in der Sparte „Beste Musik-Comedy“, 2004 den Prix Pantheon und 2005 sowohl den Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim als auch den Ehrenpreis des Deutschen Comedypreises für sein Lebenswerk. 2008 wurde er vom Bundesverband Klavier als „Klavierspieler des Jahres“ ausgezeichnet, und der „Club der Schlitzohren“ verlieh ihm das „Goldene Schlitzohr“. Für sein Musikalbum „Es gibt Reis, Baby“ erhielt Helge Schneider 1994 eine Goldene Schallplatte. Seit 2004 ist er Mitglied der Krimiautoren- Vereinigung „Das Syndikat“.
Der Satirepreis Göttinger Elch wurde 1997 erstmals vergeben und wird seit 1999 jährlich verliehen. Die bisherigen Preisträger waren der Cartoonist Chlodwig Poth (1997), der Zeichner und Schriftsteller Robert Gernhardt (1999), der Kabarettist Gerhard Polt (2000), der Kolumnist und Übersetzer Harry Rowohlt (2001), die Karikaturistin Marie Marcks (2002), der Zeichner und Dichter F. W. Bernstein (2003), der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger (2004), der Komiker Otto Waalkes (2005), der Zeichner Hans Traxler (2006), der Zeichner und Musiker Ernst Kahl (2007) sowie die bayerischen Volksmusiker und Kabarettisten der Biermösl Blosn (2008).
Der
Göttinger Elch 
hat es sich zur Aufgabe gemacht, den guten Ruf der komischen Künste zu festigen und das Ansehen der in Wort, Bild und Ton tätigen Satiriker im deutschen Sprachraum zu mehren. Der Preis hat seine Heimat nicht zufällig in Göttingen: Die Stadt hat eine besondere Tradition in Sachen Satire, die im Jahrhundert der Aufklärung mit dem genialen Aphoristiker Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) beginnt und bis in die jüngste Vergangenheit von den Wahl- Göttingern Robert Gernhardt und F.W. Bernstein fortgeführt wurde. Einem sprichwörtlich gewordenen Zweizeiler Bernsteins ist der Name des Satirepreises entlehnt: „Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.“
Die ELCH-Jury 2009 besteht aus: Antje Kunstmann, München, Verlegerin; Hilmar Beck, Fachbereich Kultur der Stadt Göttingen; Biermösl Blosn (Christoph, Hans und Michael Well), ELCH-Preisträger 2008; WP Fahrenberg, Ausstellungsbüro Göttingen; Achim Frenz, Museum für Komische Kunst Frankfurt am Main; Peter Köhler, Journalist und Schriftsteller, Göttingen; Martin Sonntag, Caricatura Kassel; Hans Zippert, Schriftsteller und Publizist, Oberursel.Die feierliche Verleihung, an der mit den Biermösl Blosn auch die
Preisträger des letzten Jahres teilnehmen, findet am 5. Dezember 2009,
20.00 Uhr, im Deutschen Theater Göttingen statt. Der Vorverkauf beginnt
am 2. November 2009. Karten sind ausschließlich an der Kasse des
Deutschen Theaters, Tel. 0551 / 49 69 11, erhältlich (Öffnungszeiten:
Mo-Fr 10.00-13.30 Uhr und 16.30-20.00 Uhr, Sa 11.00-14.00 Uhr).