Nach Faulenzien, nach Faulenzien
Möcht ich, das Kolleg zu schwenzigen,
Wo selbst der Professor schwenzt;
Wo das Dolce far niente
Langsam fließt, und der Studente
Ruhig wie der Vollmond glänzt.
Nach Schlaraffien, nach Schlaraffien,
Tut mir ein Billet verschaffigen
Für den nächsten Luftballon;
Wo entspringt die Limonaden,
Wo der Ochs ins Maul gebraten
Flieget Adams dümmstem Sohn.
Nach dem Land der ordentlichen
Kerle käm ich gern geschlichen,
Wo kein Mensch mit Größe prunkt,
Wo man jedem läßt das Seine,
Wo man in den Kaffee keine
Mürben Kellerläden tunkt.
In dem weisen Sarastronien
Laßt mich ein- und einmal wohnigen,
Wo der Mensch den Menschen liebt
Wo in diesen heil'gen Hallen
Rachelos die Menschen fallen,
Denen man als Feind vergibt.
Laßt mich auch zu den Asylen,
Wo die flücht'gen Menschen wühlen,
Die man nach der Decke streckt;
Wo man traulich sitzt im Kneipchen,
Wo der N. N. mit dem Weibchen
Fürchterlichen Unsinn heckt.
Nach Blamagien, nach Blamagien
Eil' ich redend von Kouragien,
Wo man höflicher denn kühn,
Wo die Leute ganz entsetzlich
Renommieren, aber plötzlich
Sich ums Gegenteil bemühn.
Nach Karabatschien, nach Karabatschien
Streb' ich, über Witschiwatschien,
Wo der Farra watla thront,
Wo die Bastonade schallet,
Wo der Bambus lieblich hallet
Und die Feige saftig lohnt.
Nach Randalien, nach Randalien
Lasset mich zu den Skandalien,
Wo es losgeht Schlag auf Schlag,
Wo Mensuren und Affären
Die Situationen klären
Und es knallet Tag für Tag.
Sondern auch nach Lilipuzien,
Nach dem lieben kleinen putzigen,
Pilgr' ich dann durchs Jammertal,
Wo die Mücken Elefanten,
Größen nur die unbekannten,
Wo es ist wie überall.
Nach dem hohen ldealien
Wollt' ich wallen mit Amalien,
Wo der Sturm des Jammers schweigt;
Wo die reinen Formen wohnen,
Wo von ihren Weltenthronen
Die gewollte Gottheit steigt.
Nach Myriadien, nach Myriadien.
Schleudert mich, ihr Schicksalsradien,
Wo der Sirius eisig glüht,
Wo der Unsinn grausam gipfelt,
Wo die Wurst gen Himmel zipfelt,
Und die Welt benebelt flieht.
LUDWIG EICHRODT




