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Kurt Tucholsky | 25.01.2006 | 
Ein Ehepaar erzählt einen Witz
Herr Panter, wir haben gestern einen so reizenden Witz gehört, den müssen wir Ihnen... also den muß ich Ihnen erzählen. Mein Mann kannte ihn schon... aber er ist zu reizend. Also passen Sie auf. [von Kurt Tucholsky]
"Ein Mann, Walter, streu nicht den Tabak auf den Teppich, da! Streust
ja den ganzen Tabak auf den Teppich, also ein Mann, nein, ein Wanderer
verirrt sich im Gebirge. Also, der geht im Gebirge und verirrt sich, in
den Alpen. Was? In den Dolomiten, also nicht in den Alpen, ist ja ganz
egal. Also, er geht da durch die Nacht, und da sieht er ein Licht, und
er geht gerade auf das Licht zu... laß mich doch erzählen! das gehört
dazu! ... geht drauf zu, und da ist eine Hütte, da wohnen zwei
Bauersleute drin. Ein Bauer und eine Bauersfrau. Der Bauer ist alt, und
sie ist jung und hübsch, ja, sie ist jung. Die liegen schon im Bett.
Nein, die liegen noch nicht im Bett..." "Meine Frau kann keine
Witze erzählen. Laß mich mal. Du kannst nachher sagen, obs richtig war.
Also nun werde ich Ihnen das mal erzählen. Also, ein Mann wandert
durch die Dolomiten und verirrt sich. Da kommt er - du machst einen
ganz verwirrt, so ist der Witz gar nicht. Der Witz ist ganz anders. In
den Dolomiten, so ist das! In den Dolomiten wohnt ein alter Bauer mit
seiner jungen Frau. Und die haben gar nichts mehr zu essen; bis zum
nächsten Markttag haben sie bloß noch eine Konservenbüchse mit
Rindfleisch. Und die sparen sie sich auf. Und da kommt... wieso? Das
ist ganz richtig! Sei mal still..., da kommt in der Nacht ein
Wandersmann, also da klopft es an die Tür, das steht ein Mann, der hat
sich verirrt, und der bittet um Nachtquartier. Nun haben die aber gar
kein Quartier, das heißt, sie haben nur ein Bett, da schlafen sie zu
zweit drin. Wie? Trude, das ist doch Unsinn... Das kann sehr nett
sein!"
"Na, ich könnte das nicht. Immer da einen, der - im Schlaf strampelt..., also ich könnte das nicht!"
"Sollst du ja auch gar nicht. Unterbrich mich nicht immer."
"Du sagst doch, das wär nett. Ich finde das nicht nett."
"Also..."
"Walter! Die Asche! Kannst du denn nicht den Aschenbecher nehmen?"
"Also... der Wanderer steht da nun in der Hütte, er trieft vor Regen, und er möchte doch da schlafen. Und da sagt ihm der Bauer, er kann ja in dem Bett schlafen, mit der Frau."
"Nein, so war das nicht. Walter, du erzählst es ganz falsch! Dazwischen, zwischen ihm und der Frau - also der Wanderer in der Mitte!"
"Meinetwegen in der Mitte. Das ist doch ganz egal."
"Das ist gar nicht egal... der ganze Witz beruht ja darauf."
"Der Witz beruht doch nicht darauf, wo der Mann schläft!"
"Natürlich beruht er darauf! Wie soll den Herr Panter den Witz so verstehen... laß mich mal - ich werd ihn mal erzählen! - Also der Mann schläft, verstehen Sie, zwischen dem alten Bauer und seiner Frau. Und draußen gewittert es. Laß mich doch mal!"
"Sie erzählt ihn ganz falsch. Es gewittert erst gar nicht, sondern die schlafen friedlich ein. Plötzlich wacht der Bauer auf und sagt zu seiner Frau - Trude, geh mal ans Telefon, es klingelt. - Nein, also das sagt er natürlich nicht... Der Bauer sagt zu seiner Frau... Wer ist da? Wer ist am Telefon? Sag ihm, er soll später noch mal anrufen - jetzt haben wir keine Zeit! Ja. Nein. ja. Häng ab! Häng doch ab!"
"Hat er Ihnen den Witz schon zu Ende erzählt? Nein, noch nicht? Na, erzähl doch!"
"Da sagt der Bauer: Ich muß mal raus, nach den Ziegen sehn - mir ist so, als hätten die sich losgemacht, und dann haben wir morgen keine Milch! Ich will mal sehn, ob die Stalltür auch gut zugeschlossen ist."
"Walter, entschuldige, wenn ich unterbreche, aber Paul sagt, nachher kann er nicht anrufen, er ruft erst abends an."
"Gut, abends. Also der Bauer - nehmen Sie doch noch ein bißchen Kaffee! - Also der Bauer geht raus, und kaum ist er rausgegangen, da stupst die junge Frau..."
"Ganz falsch. Total falsch. Doch nicht das erstemal! Er geht raus, aber sie stupst erst beim drittenmal - der Bauer geht nämlich dreimal raus - das fand ich so furchtbar komisch! Laß mich mal! Also der Bauer geht raus, nach der Ziege sehn, und die Ziege ist da; und er kommt wieder rein." "Falsch. Er bleibt ganz lange draußen. Inzwischen sagt die junge Frau zu dem Wanderer-" "Gar nichts sagt sie. Der Bauer kommt rein..." "Erst kommt er nicht rein!"
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