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Gastbeitrag Klaus Wührl | 02.07.2006 | druckansicht

Ali Stoiba und die 15 Räuba!

Entführung. Menschen verschwinden. Das Ende jeder Vernunft. In monatelangen, zähen Verhandlungen, geheim geführt, an abgeschiedenen Orten, oft mehr mit Andeutungen als mit konkreten Vereinbarungen, wird versucht zu retten, was zu retten ist.


Es sind brutale Räuberbanden, die das Niederste, die Hab- und Machtgier zum Höchsten erheben und die so, einzig um ihrer persönlichen Vorteile willen, Staaten erpressen, Gemeinschaften belasten, das Leben lähmen, einzelne Menschen für immer ihres Lebensglückes berauben...

Nein! Ich spreche nicht von Susanne Osthoff oder von Rene Bräunlich oder Thomas Nitzschke oder Giuliana Segrena oder sonst so einem armen Schwein. Wie kommen Sie denn bitte darauf! Ich spreche natürlich von der Bundesrepublik Deutschland, dem Deutschen Bundestag, der Bundesregierung. Die sind doch samt und sonders als Geiseln genommen worden von einer terroristischen Bande. Nennen sich Ali Stoiba und die 15 Räuba! Längst ist Deutschland osthoffisiert, in der Hand von Räuberbanden – nicht von politisch oder moralisch motivierten, fundamentalistischen Weltverbesserern, sondern von einfachen Profit- und Machtgeiern, die´s nur etwas raffinierter anstellen als die Warlords in Afrika und Arabien – und kann sich nur durch Zahlung hoher Lösegelder halbwegs freikaufen.

Die Räuber haben sich eine alte Schlucht ausgeguckt, durch die die anderen immer durchmüssen, den Bundesrat. Und dort halten sie alle anderen immer so lange fest, bis die das geforderte Lösegeld zahlen. Sie sagen natürlich, das tun ja alle Räuber, es ist nur zum Wohl des Volkes. Klar, es muss einem Volk ja auch sofort besser gehen, wenn es statt einem nun 16 Ministerien hat, die für seine Bildung zuständig sind. Welches Volk könnte es sich leisten, 16 Minister mit ihren Staatssekretären, Ministerialbeamten und –gebäuden zu haben, wenn es ihm nicht prächtig ginge. Wie stolz kann ein Volk sein, wenn jedes andere Land in Brüssel eine Vertretung hat, es selbst aber eine plus sechzehn weitere – für jeden der Räuberhauptmänner eine eigene! Föderalismusreform nennt sich das, und es geht uns allen jetzt viel besser als früher.

So sagen dass die Räuber.

In Wirklichkeit geht es weder um das Wohl der Bürger noch um förderlichen Wettbewerb unter den einzelnen Räuberbanden, sondern es geht ums fressen, saufen und das andere, was außer der Fußball und der Formel 1 den Mann noch interessiert (ich kann das Wort nicht schreiben, weil sonst gleich wieder jeder Menge superintelligenter Kommentare von supertollen Seiten hier aufschlagen). Es geht um eitles Machtgehabe, Wichtigtuerei zweitklassiger Provinzpolitiker. Als wenn regionale Eigenheiten platt gewalzt werden würden, wenn nicht jeder Flecken in Deutschland seine eigenen Schulbücher produziert. Es halten sich ja auch heute Badener Traditionen in Württemberg, Franken in Bayern, Westfalen in NRW... und außer ein paar Irren kommt kein Mensch auf die Idee, hierfür eigene Bundesländer mit eigenen Kultusministern zu wollen.

Es sind also Räuber und Erpresser, im Grunde lächerlich, aber skrupellos, doppelzüngig, nach außen harmlos und schönrednerisch, in Wahrheit einzig an ihrem Profit und ihrer Macht interessiert, diese Herren Wulff, Milbradt, Stoiber, Koch, Beck, Böhmer, Oettinger oder wie sie sonst noch heißen. Das Land kann sich freikaufen - aber es zahlt einen hohen Preis dafür, und von mancher Zahlung erholt es sich nur schwer. Dabei bleibt immer die Gefahr, dass die Räuberbande bei nächster Gelegenheit wieder zuschlägt. Aber das wäre auch wieder nichts neues....

Klaus Wührl

Kommentare

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04.01.07 17:32, Teri

Selten wurde ein wahreres Wort gesprochen, auch wenn der Schluss >... Das Land kann sich freikaufen ...< doch ehr in ein Märchen passt. In der Realität ist das nämlich nicht möglich. Leider.

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