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Rückblende | 23.02.2007 | druckansicht

Hartz und andere Nicht-Verbrecher

Ein nichtendenwollender Jubel geht durch das Land! Alle Hartz-IV-Empfänger feiern Freudenfeste. Peter Hartz, ihr Schutzpatron, in dessen Namen sie jeden Tag ihren Namenstag feiern dürfen, ist und bleibt ein freier Mann. Das Urteil wurde nicht gesprochen, sondern abgesprochen. Denn der Mann hat alles gestanden - nach dem Motto: Lieber gestanden als gesessen. Das könnte der erste Schritt sein hin zu einer umfassenden Justizreform: Wer brav geständig ist, muß hinterher nicht gesäßig sein. Bald werden alle Gefängnisse leerstehen und endlich sinnvoll genutzt werden können, zum Beispiel für die Einlagerung von sterbeunwilligen Senioren.
Zwei Jahre also auf Bewährung. In diesen zwei Jahren darf Hartz nicht rückfällig werden. Soll heißen: In dieser Zeit darf er sich keinen Betriebsrat kaufen. Kann er sich auch gar nicht mehr leisten, denn so ein Betriebsrat geht ja ganz schön ins Geld. Guter Betriebsrat ist eben teuer. Aber man gönnt sich ja sonst nichts. Peter Hartz jedenfalls muß nun passen, auch aus finanziellen Gründen. Ihm bleibt gerade mal das Nötigste zum Leben. Von kärglichen 25.000 Euro monatlich muß er sein Dasein fristen. Gut, damit liegt er knapp über dem Regelsatz eines Hatz-IV-Empfängers, aber eben nur sehr knapp.

Schließlich hat er auch genügend Unterhaltsverpflichtungen. Als sozial engagierter Reformer hat er sich nicht nur um die Arbeitslosen gekümmert, sondern er bemühte sich auch rührend um die Linderung des Elends in der Dritten Welt, indem er sich beispielsweise für das brasilianische Dienstleistungsgewerbe engagierte. Er scheute auch vor keinem körperlichen Einsatz zurück, um den dortigen Dienstleisterinnen auf die Beine zu helfen - oder genauer gesagt: auf den Rücken. (Schließlich ging es auch darum, Rücklagen zu bilden.) Gut, er konnte nicht allen notleidenden Frauen dort helfen. So hoch war sein Budget nun auch wieder nicht. Deshalb behaupten böse Zungen, seine Hilfe sei mehr oder weniger verpufft. Nun, es mag ja sein, daß sich sein Engagement unterm Strich nicht gelohnt hat, aber unterm Strich waren die Damen ja auch gar nicht tätig. Die hatten sich schon hochgearbeitet.

Auch den beteiligten deutschen Sozialhelfern aus dem VW-Betriebsrat war kein Weg zu weit, um Peter Hartz in seiner Mission zu unterstützen. Daß sie die dabei anfallenden Auslagen ersetzt bekamen, ist nur recht und billig (nunja, billig vielleicht nicht so sehr). Auch die Kosten für die notwendigen Verkehrsmittel wurden selbstverständlich ersetzt - nicht nur die für die Lufthansa, sondern auch die für Viagra. Schön, wenn ein Unternehmen im Rahmen der innerbetrieblichen Miet-Bestimmung die Potenzen seiner Betriebsräte derart stärkt. Eben VW: Viagra-Wachstum. Soll keiner sagen, der Hartz habe nicht seinen Beitrag zum Aufschwung geleistet. (Das gilt auch für die Hartz-IV-Empfäger: Aufschwung ist bekanntlich eine Turnübung, wo man sehr schnell den Boden unter den Füßen verliert.)
Mehr von Martin Buchholz auf seiner Website .

Kommentare

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17.06.07 01:32, Manfred Mader

Wäre ich der Richter gewesen, mein Strafmaß hätte gelautet: "Lebenslänglich Hartz IV, unter kontrolliert realistischen Bedingungen". Hätte ihn nicht umgebracht, denn er könnte sich ja durch Einsammeln von Müll auf der Straße oder ähnliche Jobs jederzeit Geld hinzuverdienen, für immerhin einen vollen Euro pro Stunde. Ich bin Sozialdemokrat. Ich habe seinerzeit Schröder gewählt. Aber ich habe damals nicht geahnt, wie sehr ich mich eines Tages dafür würde schämen können. Und ich habe nie geahnt, wie abgrundtief ich Menschen verachten kann, bevor das Triumvirat des Grauens, Schröder, Fischer und Hartz, die Bühne betrat. Ich glaube, hier sind alle Sozialdemokraten gefordert, die SPD wieder zu einer Partei zu machen, deren Mitglieder - befreit von Gazprom-Mafia-Bossen und Vorstands-Nobel-Zuhältern - erhobenen Hauptes einem Kurt Schumacher, einem Willy Brandt und einem Erich Ollenhauer in die Augen blicken können, ohne schamrot zu werden.

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