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Predigt | 24.08.2005 | druckansicht

Es geschehen Zeichen und Wunder

Nicht erst seit dem Weltjugendtag wissen wir: Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist! Allenthalben geschehen dieser Tage in Deutschland am laufenden Band Zeichen und – eben höchst wunderliche Dinge.
Die Meldungen aus Bayern bestätigen die schon seit den Ereignissen an der Elbe vor drei Jahren aufgekommene Vermutung: Der deutsche Kanzler gebietet über die Fluten deutscher Flüsse wie Moses über die Wasser des Roten Meeres. Dass es sich keinesfalls um mit schnöden Statistiktricks zu entzaubernde außergewöhnliche aber letztlich doch naturwissenschaftlich erklärbare Wetterphänomene handelt, zeigt ein Blick auf folgende Zusammenhänge:

2002: Kandidat aus Bayern – Flut im Osten
2005: Kandidatin aus dem Osten – Flut in Bayern
Das kann kein Zufall sein!

Doch nicht genug dessen. Pünktlich zur Wahl lässt sich vernehmen, dass ein SPD-wahlkämpfender Literaturnobelpreisträger den SPD-Kanzlerkandidaten des Friedensnobelpreises (nicht des Literaturnobelpreises, wohlgemerkt) für würdig hält. Dann sickert sogar durch, dass irgendein nicht näher bekannter jemand Schröder sogar für eben diesen Preis vorgeschlagen haben soll, wegen dessen konsequenten Nichtstuns im Irakkrieg. Eitelkeit, Hoffart, Wahlkampftrick, rufen die Pharisäer. Doch in aller Bescheidenheit entgegnet der Kanzler, er sei unwürdig: "Meine bescheidenen Beiträge zur Lösung internationaler Konflikte werden dem Preis nicht gerecht." (Aber gebt dem Kanzler, was des Kanzlers ist!)

Nimmt es da Wunder, dass auch die Gegenkandidatin aus dem atheistischen Osten Zuflucht bei Mystikern sucht – freilich ihr fehlt der rechte Glaube. Steuerwunderheiler Kirchof sei ein „Visionär“, befindet die zweifelnde Angela, aber das heißt noch lange nicht, dass man seiner steuerpolitischen Bergpredigt bis in die letzte Konsequenz folgen müsse, könne oder gar wolle. Insbesondere das radikale Abschreibungsfasten könne man den Gläubigen schwerlich zumuten. Aber das heiße ja nicht, dass man nicht irgendwie doch dran glaube…
Oh Angela, ein bisschen mehr Vertrauen in die Politikfähigkeit des Wunderbaren solltest du schon aufbringen. Sonst werden dir Deutschlands Flüsse nie gehorchen!

Kommentare

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24.08.05 17:35,

http://www.rp-online.de/layout/fotos/303x239/HBHBAYqaOje.jpg

24.08.05 17:56, bitter_twisted

Seitdem Bäume pflanzen für den Friedensnobelpreis ausreicht, ist er wohl kaum noch eine Auszeichnung

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