In einer Langzeitstudie hat Prof. Patrick Kreisler das Ausdrucksvermögen und die Alltagssprache von aktiven Internetnutzern untersucht. Die Patienten sind überwiegend Betreiber von Online-Tagebüchern (sogenannte "Blogs") oder Independent-Magazinen. Stilbildend sei der häufige Verweis auf andere Beiträge im Internet, überwiegend selbst Artikel, aber auch Fotos, Spiele oder auch Töne und Videoclips. Dabei werde der Inhalt der verlinkten Angebote meist nicht selbst beschrieben, sondern beinahe willkürlich mit Stichworten des eigenen Textes verknüpft. "Damit entziehen sich die Autoren der Aufgabe, Ereignisse selbst zu beschreiben und einzuordnen", sagte der Innsbrucker Phoniatrie-Leiter gestern bei der Vorstellung seiner Untersuchung.
Da sich das Prinzip der Verlinkung nicht auf die unmittelbare menschliche Kommunikation übertragen lasse, verarme das Sprachvermögen der "Intensiv-Blogger" (mehr als 1000 Zeichen Internet-Text pro Tag).
Bereits vor zwei Jahren hatte Kreislers Bielefelder Kollege Klaus Korrelmann in einer Explorationsstudie herausgefunden, dass Internetautoren unpolitischer sind als der Durchschnitt der Bevölkerung. Auch er hatte als eine Ursache das intensive Verlinken gesehen, das "einem ständigen Ja- und Nein-Sagen zu Vorhandenem" entspreche, ohne eigene Gedanken zu produzieren.




