Neujahrsansprache des Bundeskanzlers (leicht gekürzte Fassung):
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!
Ein grauenhaftes Seebebn hat vor wenigen Tagen die Küstenregionen in Südostasien zerstört. Die Naturkatastrophe hat unvorstellbares menschliches Leid verursacht. Etwa 50.000 Menschen haben den Tod gefunden: in Sumatra, Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien, Bangladesch, Sri Lanka, auf den Malediven und am Rand von Indien. Das ist nicht nur für die Toten, die Verletzten und die Obdachlosen in der Region ein schweres Schicksal, auch Deutschland leidet unter dieser historischen Katastrophe.
Doch großes Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft zeigen: Wir Deutsche wissen, wir sind Teil der einen Welt. Katastrophen, Kriege, Gewalt oder Terrorismus gehen uns an, auch wenn sie Tausende von Kilometern entfernt und gelegentlich ohne uns stattfinden.
Deshalb habe ich auch bereits drei Tage nach der Katastrophe meinen ohnehin in diesen dürren Zeiten natürlich bescheidenen Urlaub abgebrochen, um den Bundesaußenminister bei der Katastrophen-Repräsentanz unseres Landes zu unterstützen. Sofort und ohne demokratische Umschweife habe ich die deutsche Soforthilfe von einer Million Euro auf zwei Millionen Euro mehr als verdoppelt.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbrügerininnen, ich weiß, dass einige von Ihnen diese Hilfe nicht angemessen finden. Sie sagen mit Recht: Uns geht es doch auch schlecht. Wir haben den Transrapid nicht bauen können, die Fußball WM 2006 ist noch nicht finanziert - da lastet sich Deutschland sehenden Fußes etwas Neues auf.
Auch wir hier oben in der Regierung wissen um Ihre Sorgen da draußen im Land. Und wir wissen natürlich, dass vieles noch schlimmer kommen wird: Deutschland wird im anstehenden Jahr 2005 erneute viele hunderttausend Arbeitsplätze verlieren, weil unfähige Unternehmer ihren Verpflichtungen für das Vaterland nicht nachkommen und stattdessen unter Steuer- und Abgabenlast zusammenbrechen wie Mädchen oder Rehpinscher. Liebe Mitbürgerinine, an dieser Stelle muss ich deutlich sagen: der enge Gürtel wird das ein oder andere fette Schwein zum Platzen bringen. Das ist nicht schön, aber selten. Der Generation meiner Eltern hat es auch keinen Spaß gemacht, ihr Land in Schutt und Asche zu legen, aber in der Rektalperspektive wissen wir: nur so war auch der Wiederaufbau möglich, nur so gab es blühende Jahre. Nur auf Trümmern konnten Trümmerfrauen zu ihrer Stärke finden.
Wir stehen vor einer historischen Aufgabe: Endlich kann eine deutsche Armee ohne jede Gegenwehr der Alliierten in der ganzen Welt aufmarschieren, endlich kann ein deutscher Führer wieder auf ein Vetorecht zum Welterhalt hoffen, endlich haben wir die Chance, in Deutschland den nötigen Umbau des Menschenrechtsgedöhnses voranzutreiben.
Das alles kostet natürlich viel Geld. Und als demokratisch inthronisiertes Regierungsoberhaupt will ich keine Unklarheiten entstehen lassen: das habt ihr zu zahlen, liebe Genossinnen und Mitbürgerer, nicht zuletzt, weil ihr dem Bundeskanzler keine lukrativen Nebentätigkeiten gestattet, mit denen er seinen Beitrag leisten könnte. Als meine vierte Frau Gemahlin jüngst in der besinnlichen Zeit ihren Hundekuchenadventskalender vorgestellt hat, da habe ich viel Häme gespürt, viel Neid. Aber Neid darf keinen Platz im neuen Deutschland haben.
Drum habe ich als Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland in enger Abstimmung mit meinen politischen Gefolgsgenossen ein weiteres Sofortprogramm aufgelegt, das schon beschlossene Sache ist und uns aus dem Jammertal führen soll:
1. Jeder Hundebesitzer muss sich bis Fasching 2005 einen Hunde-Fastenkalender kaufen. Die darin enthaltenen 40 Magertöpfchen werden mit je 0,35 Cent Tsunami-Steuer belegt, womit wir den deutschen Soli-Beitrag von 2 Millionen Euro gedeckt hätten.
2. Ab Ostermontag ist das Halten von Hunden außer zu Ernährungszwecken verboten. Als Ausgleich für die bisherige Spazierbewegung der Tierhalter werden diese verpflichtet, einen 0-Euro-Job mit einer Nutzauslastung von mindestens 7 Stunden pro Woche anzunehmen. Für schwer vermittelbare Ex-Tierhalter wird die Bundesregierung Jobgelegenheiten in Ab- und Zudeckereien schaffen.
3. Im Zuge der europäischen Harmonisierung werden wir bereits zu Pfingsten Viel- und Wenig-Ehen zulassen. Damit tragen wir nicht nur unseren turkmenischen Freunden Rechnung, sondern auch der in Deutschland immer weiter divergierenden Intensität inner- und außerehelicher Betätigungen. Dabei soll der Vielbumser den Unterhalt mehrerer Wohnungen oder Schlafgemächer steuerlich geltend machen dürfen.
4. Um das Jahr 2005 zu einem deutschen Genesungssegen werden zu lassen, habe ich das Wirtschaftswachstum auf 3,4% und die Arbeitslosenquote auf 4,3% festgelegt. Beide Zahlen kamen in den letzten 40 Jahren bei keiner Lottoziehung dran und sollen auf diese Weise nun dem Volk dienlich sein.
Lassen Sie uns also mit Vertrauen und Zuversicht ins neue Jahr gehen, rollen oder schwimmen.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes und gesundes, ein friedliches und trinkfreudiges Neues Jahr.




