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Helgoland | 04.05.2006 | druckansicht

80 Jahre James Krüss

Irgendwo ins grüne Meer
Hat ein Gott mit leichtem Pinsel
Lächelnd, wie von ungefähr,
Einen Fleck getupft: Die Insel.
James Krüss, der Autor dieser Zeilen, wäre in diesem Jahr 80 geworden. Neben Erich Kästner, Michael Ende und Otfried Preußler gilt er als einer der großen, deutschen Kinderbuchautoren. Der große Geschichtenerzähler, Dichter und Fantast stammt von einer Insel, die so ungewöhnlich ist, dass er sie selbst hätte erfinden können: Helgoland.

Am 31. Mai 1926 als Sohn eines Elektrikers und einer Hummerfischertochter auf Helgoland geboren, verlebte James Krüss eine Kindheit „wie aus dem Bilderbuch“. Er fischte nach Hering und Hummer, trug erste Gedichte in sein Oktavheft ein, dachte sich Sketche für das Schulfest aus und schwamm in der Nordsee.
„Eine Insel-Kindheit eben“, fasst seine Schwester Erni Rickmers zusammen, die, 77-jährig, noch heute auf Helgoland lebt und mit der er sich – „wie das unter Geschwistern so ist“ – leidenschaftlich kabbelte. „Merkwürdig und faszinierend war damals vor allem, dass er schlafwandelte. Wir, die Geschwister, standen hinter den Gardinen, wenn er mal wieder mitten in der Nacht aufgestanden war, sich angezogen hatte und zur Schule gehen wollte. Wie er schimpfte, dass unsere Mutter vergessen hatte, ihn zu wecken!“ Nach einigen Hypnose-Sitzungen beim Hausarzt der Insulaner endeten diese Extratouren.

Als 16-Jähriger musste Krüss Helgoland verlassen. In Lunden und Ratzeburg bildete er sich zum Lehrer aus, wurde 1944 aber in den Kriegsdienst gerufen. Seine Eltern sah er 1945 nach der Kapitulation in Cuxhaven wieder – Helgoland war unbewohnbar.
Nach dem Tod des Vaters 1946 schrieb Krüss sich an der Pädagogischen Hochschule Lüneburg ein, 1948 legte er sein Examen ab. Anstatt als Lehrer zu arbeiteten, verfasste er jedoch Beiträge für den Rundfunk und Zeitschriften. Er gründete die Zeitschrift „Helgoland“ als Mitteilungsblatt eines Clubs von Exil-Helgoländern. Monat für Monat veröffentlichte das Magazin Kapitel der „Historie von der schönen Insel Helgoland“. Die in Verse gefasste Insel-Geschichte und seine erste Erzählung „Der Leuchtturm auf den Hummerklippen“ (1956) verraten es: Obwohl er in der Fantasie wie in der Wirklichkeit beinahe dauerhaft auf Reisen war - Krüss ist ein Kind Helgolands geblieben.

Nicht nur die Insel, die „wie ein dreieckiges Tortenstück mit roten und weißen Schichten in der grünen Nordsee liegt“, so Krüss in „Der Leuchtturm auf den Hummerklippen“, auch ihre Bewohner beschreibt der Kinderbuchautor genau. So genau, dass Verwandte und Freunde reale Personen wieder erkennen – manchmal sogar sich selbst. „In ‚Urgroßvater und ich’ hat er unseren Großvater ganz genau charakterisiert, obwohl er ihn gar nicht mehr kennen gelernt hatte“, sagt Erni Rickmers. „Manchmal, wenn ich seine Bücher lese, denke ich aber auch: Da hast Du ja ganz schön gesponnen.“

Immer wieder, auch von seiner späteren Heimat Gran Canaria aus besuchte James Krüss Helgoland, wo er sich die neuesten Familienereignisse erzählen ließ und seine Berühmtheit ablegte. Seine Nichten und Neffen bewunderten den außergewöhnlichen „Onkel James“, der so viele bekannte Bücher geschrieben hatte.
Seine Schwester Erni sah ihn im Sommer 1997 zum letzten Mal. „Er war gastfreundlich wie immer, wir haben Touren unternommen und sein Archiv aufgearbeitet“, berichtet sie. „Auf dem Rückflug habe ich geweint wie nie zuvor. Ich wusste: Ich sehe ihn nie wieder.“ Am 27. September wurde James Krüss vor Helgoland auf See bestattet. Seinen schriftstellerischen Nachlass erhielt die Internationale Jugendbibliothek.

Zu seinem 80. Geburtstag ehrt die Insel ihren berühmten Sohn: Vor dem Insel-Museum an der Kurpromenade wird ein James-Krüss-Museum eingerichtet. Am 31. Mai 2006 feiern außerdem Angehörige und Weggefährten Krüss’ das Jubiläum. Erwartet werden unter anderem die Illustratoren Jutta Bauer und Ole Könnecke, der Autor und Kabarettist Wiglaf Droste, der Schauspieler Freidhelm Ptok, der Komponist Christian Bruhn und Klaus Doderer, Gründer des Instituts für Jugendbuchforschung, Barbara Scharioth, Direktroin der Internationalen Jugendbibliothek sowie Schüler zahlreicher Krüss-Schulen in Deutschland.

James Krüss, Mein Lebens-ABC

Auf der Insel Helgoland
Bei viel Wasser, Wind und Sand
Centimeterkurz (kein Held)
Drang ich ein ins Licht der Welt
Erste Verse reimte ich
Früh schon friesisch - meist für mich
Gern fuhr ich auch kreuz und quer,
Hummer fangend mit aufs Meer,
Insulaner war ich hier,
Jedenfalls mit viel Pläsier,
Kam jedoch aufs Festland dann,
Lernte fleißig Lehrersmann,
Musste aber mit Gewehr,
Noch ein Jahr ins Kriegesheer,
Ohne Pass - der Krieg war aus -
Pilgerte ich dann nach Haus,
Querte Deutschland wochenlang,
Radelnd auch und mit Gesang.
Später, statt als Lehrersmann,
Trat ich dann als Dichter an.
Und was ich so schreib, gefällt
Vielen Kindern auf der Welt.
Wie erfreulich und wie nett!
X,
Ypsilon,
Zett.

Auszeichnungen und Ehrungen
1960 Deutscher Jugendbuchpreis für „Mein Urgroßvater und ich“
1964 Deutscher Jugendbuchpreis für „3x3 an einem Tag“
1968 Hans Christian Andersen Award
1986 Ehrenbürger der Gemeinde Helgoland
1988 Marburger Literaturpreis
1996 Großer Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. Volkach
1996 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

Werke (in Auswahl)
Hanselmann reist um die Welt, 1953
Der Leuchtturm auf den Hummerklippen, 1956
Henriette Bimmelbahn, 1957
Die glücklichen Inseln hinter dem Winde, 1958
Mein Urgroßvater und ich, 1959
Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen, 1962
3 x 3 an einem Tag, 1963
James Tierleben, 1965
Lirum Larum Leierkasten, 1966
Mein Urgroßvater, die Helden und ich, 1967
Geschichten aus allen Winden oder Sturm um Tante Julies Haus, 1973
Der kleine Flax, 1975
Die Reise durch das A, 1976
Sommer auf den Hummerklippen, 1977
Gäste auf den Hummerklippen, 1978
Timm Thalers Puppen oder Die verkaufte Menschenliebe, 1979
Alle Kinder dieser Erde, 1979
Der Weihnachtspapagei, 1979
Florian auf der Wolke, 1981
Der Zauberer Korinthe und andere Gedichte, 1982
Signal Molly, 1982
Freunde von den Hummerklippen, 1983
Weihnachten auf den Hummerklippen, 1984
Die Schiffbrüchigen oder die Fabelinsel, 1984 Abschied von den Hummerklippen, 1985

Kommentare

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05.05.06 08:50, H.M. King Marduk I.

Respekt vor Krüss dessen Werken, jedoch möge man erkennen - Krüss hat die Insel als junger Mann verlassen - er hat sich hier nicht mehr niedergelassen - und hat der Insel tschüß gesagt - sie ist nicht dessen Lebensmittelpunkt geworden. Respekt vor seiner Ehrungen, jedoch beschämend wie die Rathausköpfe der damaligen Helgolandadministration, Krüss hinterherhinkend die Ehre erwiesen haben, nachdem er längst seine internationale Anerkennungen einfuhr - damit gesagt, es wäre Richtig gewesen, wenn die damaligen Rathausköpfe den Krüss ausgezeichnet hätten, bevor Krüss seine gewichtigen Auszeichnungen bekam, so man Ihn bereits da zum Ehrenbürger von Helgoland hätte machen müssen - so die Helgoländer ihrem Krüss die Ehrenbürgerschaft doch nur zum Selbstzweck, zur örtlichen Tourismusförderung, wichtigmachend hinterherwurfen. Krüss den helgoländischen Insulaner ja aufzeigte, welche Wertstellung am Ende seines Lebensweges sein Helgoland hatte, er lies sich nicht an der Stätte seiner Geburt bestatten - er wußte ja - welche fixierte Wertstellung zwangsläufig von Helgoland Ihm an Ehrenbürgerschaft aufgebügelt wurde, und Ihm ja sein Geburtsort, weder die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Helgoland nichts bedeutete. Nun Krüss wurde durch Dekret des State Kingdom of Marduk der Ehrenbürgerschaft von Helgoland längst benommen, dies ist auch der Krüss-Erbengemeinschaft dokumentiert bestätigt bekannt - und sie wissen ja, seit 12 / 2004 ist die Insel Helgoland u. Düne - Staatshoheitsgebiet des State Kingdom of Marduk geworden - keiner kanns seitdem verändern, weder die Pinneberger, noch Kieler weder Berliner Politköpfe.

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