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Gastbeitrag: Martin Buchholz | 25.05.2006 | druckansicht

Kongo kontra Brandenburg: Warum Andersfarbige sich besser nicht in schwarze Gegenden wagen sollten

In dieser Woche habe ich erfahren, dass wir einen neuen Verteidigungsminister haben. Den haben wir möglicherweise schon ein paar Monate lang. Nur ist das keinem aufgefallen. Wie der heißt, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Das ist eben einer dieser No-Names, eines dieser Null-Gesichter, die Merkels Kabinett zuhauf bevölkern. Deren Namen werden erst bei ihrem Rücktritt bekannt gegeben.
Dieser Dings jedenfalls will die Bundeswehr auch im Inneren einsetzen zur Terroristen-Abwehr. Blöderweise sind die meisten Terroristen derzeit anderweitig beschäftigt - fast alle haben sich Arbeitsplätze im Ausland gesucht, weil hierzulande die Binnenkonjunktur zu wünschen übrig lässt. Das ist natürlich für den Minister ein Dilemma: Ohne akute terroristische Gefahr keine Notwendigkeit der Bundes(gegen)wehr im Inland. Jetzt hofft er zur Fußball-Weltmeisterschaft verzweifelt auf die Unterstützung ausländischer Hooligan-Hilfstruppen, damit er überhaupt mal was zum Bekämpfen hat, also damit er seine Jagdflieger während der Spiele über die Stadien schicken kann zwecks präventiver Zerbombung.



Nun haben ja unsere Jungs von der Bundeswehr bislang noch keine praktischen Terror-Erfahrungen sammeln können, weil der einstige Kanzler Schröder (einige werden sich vielleicht noch dunkel an den Namen erinnern) sich damals geweigert hatte, sie zwecks Anschauungsunterrichts in den Irak zu schicken. Und in Afghanistan ist ja außer dem Schutz bei der Opiumernte nicht viel zu tun für unsere Männer. Deshalb beschloss der Bundestag in dieser Woche, es jetzt mal im Kongo auszuprobieren mit der Terror-Schulung. Sicherlich, in der Hauptstadt Kinshasa selber ist im Augenblick noch nicht viel los, aber das kann sich zur bevorstehenden Wahl sehr schnell ändern. Da darf man schon allerhand Action erwarten.



Allerdings warnen einige überängstliche Beobachter davor, dass es in diesen afrikanischen Gegenden sehr viele ausländerfeindliche Gruppen gebe, die sich einen Spaß daraus machen, auf Andersfarbige Jagd zu machen - besonders auf nichtfarbige Andersfarbige. Ein früherer SPD-Regierungssprecher behauptete sogar, es gäbe dort "kleine und mittlere Städte", wo er "keinem, der eine andere Hautfarbe" hat, "raten würde hinzugehen". Die Besucher könnten an solchen Orten in große Gefahr geraten und würden diese "möglicherweise lebend nicht wieder verlassen".



Nach diesem krassen Vor-Urteil kochte die Empörung hoch bei allen politischen Verantwortlichen. Mit solchen pauschalen Diffamierungen würde eine ganze Region stigmatisiert, so hörte man sie tönen. Und besonders die Schwarzen im Lande, vorwiegend in CDU und CSU organisiert, kriegten sich gar nicht mehr ein vor anti-rassistischer Entrüstung: Das sei eine "schamlose Verleumdung". Die SPD-Bundespartei müsse klarstellen, "ob es sich hier um eine Parteimeinung oder nur um eine Entgleisung eines Einzelnen" handele.



Der vorlaute Mahner kriegte es langsam mit der Angst zu tun, dass er selber diese Debatte "möglicherweise lebend nicht mehr verlassen" könnte - zumindest, soweit es um sein politisches Überleben geht - und machte einen schwanzverkniffenen Rückzieher. Dabei hatte er sich nichts anderes zuschulden kommen lassen als eine "Beschreibung real existierender Zustände", wie es Renate Künast formulierte (eine der wenigen ehrlichen Stimmen im Chor der hektisch aufgeregten Scheinheiligen).



Eine Beschreibung, wie ich sie schon vor sechs Jahren in einem Wochenschauer abgeliefert habe. Diese Kolumne habe ich damals dem "Neuen Deutschland" zum Nachdruck angeboten und mit einigen Bedenklichkeiten wurde sie dort auch veröffentlicht. Das führte zu einer wahren leserbrieflichen Sturmflut, die über mich hinwegschwappte; weggespült auf dem ostdeutschen Lokus hinein in den Orkus des Vergessens, hinunter in die finale Entsorgungs-Kloake.


Für jene, die den Wochenschauer damals noch nicht abonniert hatten, hier die höchst aktuelle Nach-Lese (Numero 40 vom 3. August 2000).


Dröhnendes Schweigen

In den fünf neuen Glatzenländern hat es für etliche Ausländer mal wieder eine abenteuerreiche Woche gegeben. Der Minister für unser Äußeres, Sir Joschka Fischer, gab deshalb gestern einen ungewöhnlichen Tagesbefehl aus: "Die Mehrheit darf nicht länger schweigen." Ja, was denn?! Soll man doch froh sein, dass die Mehrheit wenigstens die Schnauze hält und nicht noch lautstark Beifall johlt, wenn rot das Blut vom Springerstiefel spritzt. Soll die Zuschauer-Mehrheit denn wieder die Mordskerle anfeuern, wie einst in Rostock und Hoyerswerda, als die Ausländer-Heime abgefackelt wurden. Besser ist es schon, sie schweigt.


Und das tut sie lautstark genug. Ein dröhnendes Schweigen, das da aus dem Osten herüber dringt - gelegentlich unterbrochen von rituellen "Alles-halb-so-schlimm"-Arien, in die auch die örtlichen Gesangsvereine der PDS meist mit einstimmen.

Der rassistische Mob ist in etlichen ostdeutschen "ausländerfreie Zonen" zur Hegemonialmacht geworden, der mit stummer Zustimmung einer dumpfdösigen Mehrheit die öden Straßen und die leerstehenden Hirne beherrscht. Wer das bezweifelt, der sollte sich nur mal des bösen Spaßes halber Gesicht und Hände mit schwarzer Schminke färben und - sagen wir mal - am Bahnhof von Magdeburg aussteigen. Oder in Wurzen, oder in Schwerin. Oder in Lichtenberg. Oder in Erfurt. Oder. Oder. Oder.

In meinem Bekanntenkreis gibt es einige, die von Geburt an "eingefärbt" sind: Schwarze und gelbe (West-)Berliner, die sich schon längst nicht mehr in die östlichen Vororte der Stadt wagen, geschweige denn ins umliegende Brandenburg. Dort haben sie genügend einschlägige (genauer: vielschlägige) Erfahrungen machen dürfen. Aber es sind keineswegs nur die Glatzen, die ihnen Angst machen; es ist der giftende Hass und die schiere Bosheit, der ihnen auf offener Straße oder im Zugabteil von braven Bürgern unverhohlen entgegenschlägt. Ganz en passant: "Hau ab, du Negerfotze." - "So'ne schwatte Stinkmorchel hat hier nichts zu suchen." - "Wassen? Sind wir hier im Urwald?!" Jeder hört es, keiner mischt sich ein. Nichts geschieht. Alltag-Ost für Andersgefärbte.


Als am Pfingstsonntag in Dessau dem Mosambikaner Alberto Adriano der Schädel eingeschlagen wurde, hat das die "normale" Bevölkerung auch nicht weiter aufgeregt. Ärger gibt es erst jetzt, weil ein Gedenkstein an die viehische Abschlachtung erinnert: Für einen ermordeten Deutschen würde man schließlich auch keinen Gedenksteine aufstellen...


Und nun höre ich schon wieder das empörte Aufjaulen des kollektiv gekränkten Ossis: Man lasse sich nicht in "so eine Ecke" stellen, das seien böswillige Verzerrungen eines arroganten Wessis, Aufbauschereien von "bedauerlichen Einzelfällen"... Und außerdem liegen Solingen, Mölln, Düsseldorf doch wohl im Westen - oder?!


Im selben Sound hat schon früher Regine Hildebrandt den braunen Terror in Brandenburg niedlich geredet - und damit vielen in ihrer Landsmannschaft aus der Hornhaut-verkrusteten Seele gesprochen.


Der Unterschied ist der: Der nicht minder gefährliche West-Spießgeselle kriegt zuweilen selbst in seiner Dorfkneipe öffentliches Kontra, wenn er im Suff allzusehr den alltäglichen Faschisten raushängen lässt. Damit fehlt ihm das, was man den "gesellschaftlichen Konsens" nennt. Und damit könnte er in der sächsischen Schweiz oder in vielen brandenburgischen Destillen ganz selbstverständlich rechnen.


Vor den Grenzen westlicher Bundesländer muss man zumindest keine Warnschilder aufstellen: "Vorsicht! Sie verlassen jetzt den Bereich menschlicher Zivilisation. Betreten für Ausländer und sonstige irgendwie Andersartige auf eigene Lebensgefahr!"


Die Leichenberge der "bedauerlichen Einzelfälle" wachsen. Und die Mehrheit, was tut sie? Was sie schon immer am liebsten tat: Sie genießt und schweigt... Wehe der Minderheit, die da beim Verschweigen hilft. Sie schweigt sich möglicherweise selbst zu Tode.
Martin Buchholz

Kommentare

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25.05.06 20:03, Lazek Bronski

es ist schon erstaunlich, daß 45 Jhare sozialistische Erziehung zur Völkerfreundschaft und internationaler Solidarität solch charakterlich und psychisch verbogene rassistischen Kreaturen gezeugt hat. Aber es eist ja schließlich Wasser auf den Mühlen dieser Rassisten, wenn der bundesdeutsche Innenminster sagt: "Auch blauäugige und blonde Deutsche werden zusammengeschlagen." Heißt soviel, wenn schon Arier verprügelt werden, müssen sich Afrikaner oder Türken nicht wundern, wenn man sie massakriert. Menschenwürde und Unverletzlichkeit der Person sind vom Grundgesetz geschützt. ein farbiges Kind wird über Stunden von drei seelischen Krüppeln aufs schlimmste mißhandelt. Die verhängten Strafen sprechen der Verfassung Hohn und lassen weitere Taten befürchten. Ich schäme mich nicht Deutscher zu sein, aber ich schäme mich in solche einem moralisch verkommenen Staat zu leben. Mit freundlichen Grüßen L. Bronski

02.09.07 23:23, Friedberg L.

Menschenwürde und Unverletzlichkeit der Person sind vom Grundgesetz geschützt. Aber nicht bei der IGM sie sieht zu das jeden Tag die würde des Menschen mit Füßen getreten wird. Und das die Frau immer über dem Manne steht egal wie dähmlich sie ist. Auch wenn der Mann ( wie viele Männer in diesem Lande ( würg) zur Emansipation beigetragen haben). Ich habe für die Emansipation der Frau gekämpt mußte aber Feststellen das diese sich zusammengerottet haben um uns das anzutun, an der Arbeit was sie zu Hause von ihren Ehemännern erfahren mußten. Liebe Ehemänner bitte, bitte haut eure Alte auf die Fresse was das zeug hält den nur so könnt ihr ihnen das wiedergeben was sie uns Tagtäglich an der Arbeit antun. Nur weil wir Männer sind.

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